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Integration in den Arbeitsmarkt

 

Assistierte Ausbildung

von Christian Salberg - Leiter Kreisjugendamt

Im Landkreis Ebersberg werden derzeit mehr als 120 unbegleitete minderjährige Asylsuchende (umA) in 14 verschiedenen Einrichtungen von der Kinder- und Jugendhilfe betreut und versorgt. Die umA sollen von Anfang an die richtige Unterstützung erhalten, damit sie am Arbeitsleben teilhaben und sich gesellschaftlich integrieren können.

Die Unterbringung und Versorgung in der Kinder- und Jugendhilfe soll für die umA auf keinen Fall eine Endstation darstellen, sondern vielmehr einen Ausgangspunkt für die berufliche Integration in den lokalen Arbeitsmarkt. Hierfür bedarf es zunächst ausreichender Deutschkenntnisse, weshalb die umA ein zweijähriges Unterrichtsangebot durchlaufen und so eine erste sprachliche Deutschförderung sowie eine berufliche Orientierung und sozialpädagogische Betreuung erfahren. Für eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt ist ferner wichtig, dass die vorhandenen Qualifikationen und Kompetenzen möglichst schnell festgestellt werden und die umA frühzeitig mit Angeboten versorgt werden. Dies beschleunigt den Übergang in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt und fördert deren Verständnis für den Leistungsgedanken in unserer marktwirtschaftlichen Gesellschaft.

Dieser Zielsetzung folgend, wurde vom Kreisjugendamt Ebersberg das Projekt der Assistierten Ausbildung zur beruflichen Integration unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender im Landkreis Ebersberg entworfen. Kooperationspartner sind die Agentur für Arbeit Freising sowie die beiden Bildungsträger Berufsbildungswerk (BBW) und Berufsförderungswerk (BFW) in Kirchseeon. Das BBW und BFW Kirchseeon tragen mit flankierenden Fördermaßnahmen, Stützunterrichten sowie einer sozialpädagogischen Begleitung dazu bei, dass Ausbildungsabbrüche vermieden und Ausbildungen möglichst erfolgreich beendet werden.

Viele Vorteile durch die Assistierte Ausbildung

  • Die Assistierte Ausbildung ermöglicht eine vertiefende Sprachförderung.
  • Der Bedarf an Erwerbstätigen ohne Berufsabschluss wird sich laut aktueller Prognosen bis zum Jahr 2030 stark verringern bzw. der Bedarf an wissensbasierten Berufen - wozu das Handwerk zu zählen ist - entsprechend zunehmen. Die Assistierte Ausbildung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die umA trotz einer sich stark verändernden Arbeitswelt nachhaltig am Erwerbsleben  teilhaben können.
  • Mit Hilfe der Assistierten Ausbildung lassen sich fehlende Kenntnisse hinsichtlich gesellschaftlicher Werte, Normen und Strukturen besser vermitteln.
  • Die Wirtschaft erhält junge Fachkräfte, die sie aufgrund des demografischen Wandels dringend benötigt.
  • Die Assistierte Ausbildung kompensiert die fehlende Ausbildungsreife der umA und kann damit einen entscheidenden Beitrag zu einer gelingenden beruflichen Integration schaffen.
  • Die Assistierte Ausbildung wirkt dem Risiko entgegen, die Ausbildung aus Überforderung  oder wegen ausbleibender Erfolgserlebnisse vorzeitig abzubrechen, und stellt sicher, dass die umA nicht vorschnell der Versuchung unterliegen, Hilfstätigkeiten aufzunehmen, in dem Bemühen, die Angehörigen möglichst schnell mit viel Geld versorgen zu können.
  • Die Assistierte Ausbildung beugt Müßiggang und Langeweile vor und stellt durch eine kontinuierliche Betreuung sicher, dass die umA  einem fortwährenden Beschäftigungsprozess ausgesetzt sind.

In enger Abstimmung mit der Berufsschule, den Ausbildungsbetrieben, dem Jugendamt und der Agentur für Arbeit akquirieren die Kooperationspartner geeignete Ausbildungsverhältnisse für die umA. Während der Maßnahme und außerhalb der Ausbildungszeit führen die Kooperationspartner Deutschkurse sowie weitere individuelle Förderangebote im Umfang von mindestens vier bis maximal neun Unterrichts-/ Betreuungsstunden durch. Dabei nimmt der über den Verlauf der gesamten Ausbildung stattfindende Stützunterricht in berufsbezogenem Deutsch eine zentrale Rolle ein. Der Stützunterricht wird über die gesamte Maßnahme angeboten und ist der „rote Faden“ und wichtigster Bestandteil der Assistierten Ausbildung.

Finanzierung

Die umA sind während der gesamten Dauer der Assistierten Ausbildung in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe untergebracht. Die dabei entstehenden Kosten erhält das Jugendamt refinanziert. Die Kosten der Assistierten Ausbildung trägt die Agentur für Arbeit Freising.

Fazit

Der bayerische Weg zur Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit wird vom Landkreis Ebersberg zielgerichtet beschritten. die Assistierte Ausbildung bietet Arbeitgebern und Flüchtlingen ein breites Unterstützerbündnis aus Landkreis, Agentur für Arbeit und Kooperationspartnern, das sich zu ihrer gemeinsamen Verantwortung für eine  gelungene Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration für unbegleitete minderjährige Asylsuchende bekennt. Dem Ebersberger Stimmkreisabgeordneten Thomas Huber danke ich sehr herzlich, denn er hat die Idee zu diesem Modellprojekt von Beginn an unterstützt. In einer kontroversen politischen Debatte hat er für eine deutliche Dynamik im Prozess gesorgt und somit zu einer raschen Realisierung wesentlich beigetragen.

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