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Krankenwagen nach Syrien

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Zufrieden mit ihrer Arbeit (v.l.): Thomas Renner, Meister Ralph Fischer, Abrom Grmawi und Frank Ehrentraut.
© Stefan Rossmann

Kirchseeoner Azubis schicken Krankenwagen nach Syrien

Von Robert Langer Merkur 21.12.18

Auszubildende im Berusbildungswekr  St. Zeno in Kirchseeon reparieren Krankenwagen, der als Spende nach Syrien geht. Sie sind sehr stolz auf das Geleistete.

Kirchseeon – Frank Ehrentraut steht mit einem Lappen vor dem Ford Transit, hebt die Wischer an und putzt die Scheibe. „Passt“, sagt er zufrieden. Der 32-Jährige ist Auszubildender im Bereich Metallbauer im Nutzfahrzeugbau im Berufsbildungswerk St. Zeno in Kirchseeon. Und er ist Teil eines besonderen Projektes. Zusammen mit zwei weiteren Azubis arbeitet er an einem ausgemusterten Krankenwagen, damit er reisefertig wird, wenn er als Spende nach Syrien geht. Dorthin, wo jahrelang gekämpft wurde, dorthin, von wo viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Wenn alles klappt, soll das Fahrzeug am 6. Januar zum orthodoxen Weihnachtsfest an seinem Bestimmungsort ankommen.

Hinter dem Projekt stecken viele Leute. Die ehrenamtliche Gruppe „Männer Aktiv“ der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und der Katholischen Männerseelsorge hatten sich um das Fahrzeug gekümmert. Gestiftet wurde es sowie Teile der medizinischen Ausstattung von der Johanniter Unfallhilfe, Regionalverband München. Geliefert werden soll es nach Sadad, eine Stadt in Syrien, 60 Kilometer südlich von Homs und 101 Kilometer nordöstlich von Damaskus. Die Mehrheit der Einwohner gehört der syrisch-orthodoxen Kirche an. In Sadad soll das Fahrzeug die medizinische Notfallversorgung verbessern.

„Als wir gefragt wurden, ob wir uns da einbringen können, haben wir sofort ja gesagt“, so Gerhard Endres, Schulpastoral in St. Zeno. Das Berufsbildungswerk bietet lern- und oder psychisch behinderten jungen Menschen Orientierung, Unterstützung und Förderung bei ihrer beruflichen Entwicklung. Die praktische Ausbildung erfolgt in eigenen Werkstätten in Kirchseeon. Darunter auch die Halle für den Fahrzeugbau. „Wir machen alles: große Autos, kleine Autos, große Anhänger, kleine Anhänger“, sagt Ehrentraut stolz. Zehn Auszubildende sind derzeit dort tätig, in verschieden Bereichen. Drei von ihnen kümmerten sich um den Krankenwagen. Der stand zunächst einige Zeit auf dem Gelände des Berufsbildungswerkes am Rande von Kirchseeon-Dorf. In den vergangenen Wochen wurde intensiver am Fahrzeug gewerkelt. „Wir haben alles durchgeschaut und geprüft“, erklärt Azubi Thomas Renner (21). Besonderes Augenmerk widmeten sie den Türeinstiegen. Und auch an der Rampe am hinteren Einstieg „mussten wir etwas machen“, erzählt Renner. Die Konstruktion wurde stabilisiert. An Kleinigkeiten wurde ebenso gedacht, wie den Rost am Deckel zum Tankstutzen zu beseitigen und neue Farbe aufzubringen. „Das hat Spaß gemacht. So etwas ist nicht alltäglich“, sagt Renner. Mit manchen Sachen im Einsatzwagen kenne er sich auch aus. „Ich bin bei der Freiwilligen Feuerwehr.“

Meister Ralph Fischer, der eine pädagogische Zusatzausbildung hat, freute sich ebenfalls über das Projekt. Damit hätten seine Auszubildenden eine ganz andere Aufgabe gehabt und die Möglichkeit, zusätzlich etwas zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Der Wagen habe rund 267 000 Kilometer auf dem Tacho. „Der läuft super. So wie er jetzt dasteht, würde ich sagen, kommt er durch den TÜV. Martinshorn und Blaulicht gehen auch. Er ist einsatzbereit.“

Für Abrom Grmawi war die Arbeit an dem Fahrzeug etwas sehr Wichtiges. Er kam vor drei Jahren aus Eritrea als Flüchtling nach Deutschland, als unbegleiteter Jugendlicher. Damals war er 15 Jahre alt, heute ist er 18. Er fand Aufnahme über das Johannesheim Holzolling, das zur Stiftung St. Zeno gehört. Er lernte Deutsch, machte ein Praktikum. Im August begann er seine Lehre in Kirchseeon. „Ich arbeite gerne handwerklich“, erzählt er. „Es geht gut, auch in der Schule, aber die Sprache ist schwer.“ Jetzt konnte er zeigen, was er praktisch schon gelernt hat und freute sich darüber. Und der ist stolz darauf, etwas für Syrien tun zu können, „ein Land aus dem viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen“. Das ist auch für Schulpastoral Endres ein zentraler Aspekt. „Für die Jugendlichen sind die Konfliktherde auf der Welt oft unklar oder anonym. Mit Projekten wie diesen lernen sie, dass man dort auch helfen kann.“ Und so eine Aktion sei natürlich auch ein Zeichen nach außen in die Gesellschaft.

Und wie geht es jetzt weiter? Für den gestrigen Donnerstag war die offizielle Übergabe angesetzt mit vielen hochrangiger Vertreter verschiedenen Organisationen. Mit dabei auch die syrisch-orthodoxe Gemeinde Münchens und die Internationale Gesellschaft Orientalischer Christen (IGOC) die Kontakte vermittelt hatten und bei der Überführung nach Syrien helfen.

Auch die Azubis waren eingeladen. „Ich kann nicht, ich habe Schule“, sagte Abrom Grmawi schon vorher. Er hat noch mehr als drei Jahre Ausbildung vor sich. Zufrieden sind sie alle mit ihrer Arbeit an dem Krankenwagen. „Das war super“, sagt Frank Ehrentraut. „Wenn nochmal so etwa angeboten wird, dann mache ich wieder mit.“

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